Leserbrief zum Echo-Artikel „Windkraft erhält Gegenwind“ vom 20.02.2016

Seit über einem Jahr arbeite ich in der Bürgerinitiative Gegenwind Hassenroth mit und habe die gemeinsame Infoveranstaltung zur Kommunalwahl der Bürgerinitiativen Gegenwind Otzberg und Hassenroth am 18.02.2016 in Hassenroth mitorganisiert. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass zum zweiten Mal im Echo ein Pressartikel erscheint, der unser Bemühen, den Bau von über 200 m hohen Windrädern im Märkerwald zu verhindern, auf das Niveau von Anfeindungen und Polemik reduziert.
Wohl wissend, dass sich Gemeindevertreter, wie hier in Otzberg, über unterschiedlichste Themenfelder eine Meinung bilden müssen, um fundierte Entscheidungen zu treffen, haben wir in sachlichster Art und Weise versucht, sie über unsere Argumente gegen den Bau zu informieren. Das geschah zum einen in Form von zwei Schreiben der BIs und einer Expertise eines Fachanwalts, die die Risiken für die Gemeinde aufzeigt, zum anderen auch in vielen persönlichen Gesprächen. Umso überraschter waren wir schon von der Tendenz des ersten Echo-Artikels, persönliche Anfeindungen in den Mittelpunkt der Berichterstattung zu stellen, die selbst in der von Pfarrer Schwebel initiierten Gesprächsrunde uns keiner der anwesenden Gemeindevertreter konkret benannte. Dass manchmal Emotionen hochkochen können, wenn Menschen sich um ihre Gesundheit, Lebensqualität, Zerstörung der Natur, Erhalt ihrer Altersvorsorge oder sogar Existenz sorgen müssen, ist wohl nur allzu menschlich und man sollte hier die Kirche im Dorf lassen.
Dass unsere Argumente inzwischen auch gehört werden, zeigt der Beschluss, dass das Parlament das letzte Wort in Sachen Windkraft haben wird und eine mögliche Projektierung nur in einem öffentlichen Verfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung geschehen darf. Auch wenn Herr Rotzsche von den Grünen dies inzwischen gerne als Beweis für die Transparenz gegenüber dem Bürger anführt, ursprüngliche Beschlussvorlage war, das Ganze dem Gemeindevorstand hinter verschlossenen Türen zu überlassen.
Sinn unserer Infoveranstaltung vor der Kommunalwahl war es, den ortsansässigen Parteien und Gruppierungen Gelegenheit zu geben, ihren Standpunkt in Sachen Windkraft, insbesondere am Standort Märkerwald, darzulegen und so den Bürgern Entscheidungshilfe zu geben, wem sie ihre Stimme anvertrauen. Das nennt man, glaube ich, Demokratie.
Von den 13 anwesenden Vertretern der Parteien und Gruppierungen haben sich dabei nur zwei, die Vertreter der Grünen und der SPD Otzberg, eindeutig für den Bau von Windkraftanlagen im Märkerwald ausgesprochen. Bei den anderen gab es eine Spannbreite von eindeutigem Nein zum Bau von WKAs im Odenwald, einem Nein zum Bau im Märkerwald im Besonderen bis hin zur Beschränkung des Ausbaus nur auf Flächen, die im Rahmen eines Flächennutzungsplanes ausgewiesen werden. Wozu eindeutig der Märkerwald nicht gehört. Statt Bauchempfindungen des Pfarrers, hätte ich lieber diese Fakten eindeutig in einem Presseartikel wiedergefunden.
Viel Platz im Artikel fand auch die Empörung über Zwischenrufe und Wortmeldungen nach Äußerungen von Herrn Rotzsche (Grüne Otzberg) wie „dass es unredlich sei, die Korrektheit von offiziellen Gutachtern z. B. zum Artenschutz (wohl gemerkt, die von eigenen Gutachtern der Windkraft-Projektier angefertigt wurden) anzuzweifeln“ oder überhaupt „Zweifel am Genehmigungsverfahren des Regierungspräsidiums zu haben“. Fakt ist, dass das Regierungspräsidium Genehmigungen auf Grund von Voraussetzungen erteilt, die völlig veraltet oder nicht mehr zutreffend sind. Beispiel hierfür die über 20 Jahre alte Technische Anweisung Schall, die von 50 m hohen Windrädern ausgeht, heute werden sie über 200 m hoch.
Oder aktuell die Einflussnahme der Regierungspräsidentin Frau Lindscheid (Bündnis90/die Grünen) für den Bau eines Windparks im „Greiner Eck“ (Hirschhorn/Neckarsteinach). Entgegen dem Rat ihres eigenen Fachreferats hat sie der Regionalversammlung empfohlen, ein FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat Schutzgebiet) aus dem Regionalplan herauszunehmen, das dem Bau entgegenstand. Was nicht passt, wird passend gemacht! Dann sollen Zweifel nicht angebracht sein?
Weitere Empörung löste die Frage an Herrn Rotzsche aus, ob er verwandtschaftliche Beziehungen zu Windkraftbetreibern oder eventuell mit dem Thema in einer Funktion befasste Verwandte habe, die er eindeutig mit „Nein“ beantwortete. Per se erst einmal nichts Verwerfliches. Aber warum nur antwortete er mit „Nein“? Sein Bruder ist stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbandes Windenergie e.V. und als Planungsingenieur bei der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN) für den Ausbau von Windkraft in Nordhessen zuständig. Alles einfach im Internet nachzulesen!
Ein guter Teil der Gemeindevertreter in Otzberg hat sich schon gegen den Bau der Windkraftanlagen im Märkerwald ausgesprochen. Wir hoffen, mit guten Argumenten weitere zu überzeugen bis endgültig über Verträge abgestimmt wird und erwarten uns eine faire Berichterstattung unserer Regionalzeitung.

Andrea Bergwitz, Hassenroth

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3 Kommentare zu “Leserbrief zum Echo-Artikel „Windkraft erhält Gegenwind“ vom 20.02.2016

  1. Gegendarstellung und Antwort auf Verleumdungsversuche, die sich auf meine Beziehungen zu meinem Bruder, einemWindkraftprojektierer bei den Städtischen Werken Kassel beziehen.

    Angesichts des Stils den die Gegenwind BI und die FDP hier in Otzberg und Hassenroth an den Tag legt, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass mein Kommentar von letzter Woche gelöscht wurde. Andere Meinungen lassen Sie nicht gelten. Auf Anstand und Fairness legen Sie keinen Wert. Nun bin ich gezwungen, ihren Behauptungen, die an Verleumdung grenzen, noch einmal zu widersprechen.

    Die Frage bei besagter Veranstaltung war, ob sich eine Person in meiner Verwandtschaft hier in Otzberg als Windkraft-Projektierer engagiert. Das habe ich verneint! Sie geben diese Antwort falsch wider.

    Lars Rotzsche ist mein Bruder. Er ist Windkraftexperte bei den Städtischen Werken Kassel, hat beim Hessischen Energiegipfel beraten und hat mit seinem Fachwissen auch den AK-ENO und Otzberger Gemeindevertreter beraten. Diese Veranstaltungen waren öffentlich. Das ist in Otzberg bekannt und war nie ein Problem. Das alles hat er unentgeltlich getan und vor allem – und das war ja auch die Frage am Donnerstag in Hassenroth – ohne hier in Otzberg oder in Südhessen als Planer oder Projektierer aktiv zu werden! Er hat immer berufliches Interesse an Otzberger Windpotenzialflächen ausgeschlossen – nur so konnte er uns hier als Privatmann und als mein Bruder beraten. Um es klar zu sagen:  Die Stadtwerke Kassel und mein Bruder haben kein Interesse an Windkraftstandorten in Südhessen und stehen auch nicht in Verbindung mit Windkraft-Unternehmen, die sich hier engagieren. Somit gibt es bei mir keine Interessenskonflikte, oder was ja die beabsichtigte, ungeheuerliche Unterstellung der Frage war, auch keine Gefahr von Vorteilsnahme.

    Diese Unterstelllungen werden nun wiederholt von den Windkraftgegnern in Person von Heinz-Gerd-Arnold und Gotthard Ebner in Umlauf gebracht, obwohl sie es besser wissen. Sie sind perfide, unverschämt und weit jenseits von Anstand und der demokratischen, politischen Kultur, die wir hier in Otzberg und Umgebung pflegen. Damit diskreditieren sich die Windkraftgegner und die örtliche FDP wieder einmal. Ich bin mir sicher, dass diese ekligen Methoden auf sie selbst zurückfallen werden.

    Ist es nicht legitim, sich Expertenwissen zu Hilfe zu holen, um in komplexen Fragen wie bei die Vereinbarkeit von Umwelt, – Naturschutz und Klimaschutz mit erneuerbaren Energien die Orientierung zu behalten? Ist es nicht sogar notwendig um den Manipulations- und Irreführungskampagnen der Windkraftgegner mit Ihren „Vernunftkraft“- Experten etwas entgegen zu setzen?

    Jens Rotzsche, Otzberg

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  2. Lieber Herr Rotzsche,
    weder hier noch in Facebook wurden Kommentare von Ihnen gelöscht. Das halten wir schon aus!

    Wie ich Ihnen schon in Facebook geschrieben habe, haben Sie die Frage aus dem Publikum anders verstanden als ich und viele Zuhörer im Saal. Da, wie Sie selbst schreiben, das Engagement Ihres Bruders in der Windkraft kein Geheimnis ist, waren wir ja umso erstaunter von Ihrem kurzen, knappen „Nein“ und genauso habe ich das auch geschrieben.
    Per se ist ja auch nichts Verwerfliches, wenn ihr Bruder in der Windkraft engagiert ist, die Frage danach aber auch nicht.
    Das ist einfach eine Sache der Transparenz. So ist die südhessische Entega, die auch für den Märkerwald präsentiert hat, im Kaufunger Wald engagiert – ebenso wie die Stadtwerke Union Nordhessen, für die ihr Bruder arbeitet. Niemand unterstellt Ihnen aber deswegen persönliche Vorteilnahme oder wie Sie schreiben „kriminelle Tatbestände“.
    Ich spreche Ihnen nicht ab, dass Sie tatsächlich der Überzeugung sind, dass Windkraft zur Weltrettung beiträgt und die Gemeinde Otzberg auf Vorschlag der AK-ENO ausgerechnet im Märkerwald Ihren Beitrag dazu leisten sollte. Nicht weil es ein sinnvoller Standort ist, sondern weil es das einzige Gelände ist, das sie besitzt. Und obwohl das Parlament diesen Standort aus gutem Grund schon einmal verworfen hatte, offeriert zufällig ein Projektierer Notus der Gemeinde einen Plan, wie doch noch Windräder gebaut werden könnten?? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

    Lieber Herr Rotzsche, wir wünschen uns, dass wir auf sachlicher Ebene Argumente austauschen und Sie auch unsere Bedenken ernst nehmen. Vorwürfe von Ihnen, wie dass es unredlich ist Gutachten anzuzweifeln oder Zweifel am Genehmigungsverfahren des Regierungspräsidiums zu haben, halten wir auch nicht für konstruktiv.

    Andrea Bergwitz, Hassenroth

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  3. Herr Rotzsche ( Vertreter der Grünen der Gemeinde Otzberg) ist der festen Überzeugung der durch C02 verursachte Klimawandel ist ein so unglaublich wichtiges Thema das er nichts unversucht lassen will, um möglichst viele Windkraftanlage in Deutschland aufzubauen und auch seine kleine Gemeinde in Hessen muss sein möglichstes tun. Deshalb will er unbedingt jeder Möglichkeit nachgehen ob es doch Chancen für Windkraft in Otzberg gibt, auch nachdem der Märkerwald aus den Vorrangebieten für Windkraft ausgenommen wurde. Er verläßt sich dabei darauf, dass die noch durchzuführenden Gutachten mögliche Gründe die gegen Windräder sprechen ganz objektiv klären werden. Ähnlich äusserte sich auch Herr Amos (SPD Höchst) der voll darauf vertraut das durch die Anwendung der entsprechenden Regeln zu einer objektiven Bewertung führen werden, wobei er davon ausgeht das die gleichen Gründe die dafür gesorgt haben das der Märkerwald nicht als Vorrangebiet im Hessichen Nutzungsplan steht auch dafür sorgen werden, das keine Windräder im Märkerwald gebaut werden. Naja, nach der überraschenden 180 Grad Kehrtwende am Greiner Eck kann man da andere Meinung sein. Wie man dort gesehen hat werden die Bewertungsgrundlagen kurzerhand mal so geändert das es dann doch passt.

    Aus meiner Sicht ist schon die Bewertungsgrundlage für die einzuhaltenden Abstände zu Siedlungen falsch. Die Regelung dass Windräder mind. 1 km Abstand von bewohnten Gebieten halten müssen ist aus dem letzten Jahrtausend. Damals waren Windräder 50 bis 100 m gross. Für Riesen von 200-250 m Höhe passt die Regelung nicht. In sofern ist es falsch so zu tun als bräuchte man sich nur an die Verordnungen zu halten und schon sei sicher das alles richtig und gut sei. Bayern hat nicht ohne Grund die 10H Regel eingeführt – sie berücksichtigt sowohl die grössere Lärmbelästigung wie auch das Schattenschlag-Problem und die allegmeine „Schtfeld-Verschmutzung“

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