Keine Windindustrie im Märkerwald – Gutachten bestätigt Vorkommen gefährdeter Tierarten

Wie die Bürgerinitiativen Gegenwind Hassenroth und Otzberg berichten, liegt seit Anfang Oktober 2016 das Ergebnis eines neuen faunistischen Gutachtens für den „Märkerwald“ vor. Gegen den dort geplanten Bau von Windrädern in dem nur ein Kilometer von Hassenroth entfernten Waldgebiet richtet sich schon seit Anfang 2015 der Protest der Bürgerinitiativen. Mit gutem Grund, wie die nachfolgende Pressemitteilung des NABU Otzbergs zeigt:
„Nach dem mehrheitlichen Beschluss der Otzberger Gemeindevertreter, den Ober-Klinger Märkerwald an die Windindustrie zu verpachten, hat der NABU Ober-Klingen zum Schutze dieses Naturschatzes Anfang des Jahres eine wichtige Entscheidung getroffen: Ein vereidigter Gutachter wurde mit der Dokumentation des Vorkommens schützenswerter Vogel- und Fledermausarten im Märkerwald beauftragt.
Dieses faunistische Gutachten liegt nun vor und bestätigt Vieles, was der von der Gemeinde Otzberg selbst beauftragte Gutachter Josef Kreuziger bereits im Jahr 2014 zu Papier brachte. Die Ergebnisse von Kreuzigers Gutachten führten damals zu einer Abstimmung GEGEN den Bau von Windkraftanlagen im Märkerwald. Das neue Gutachten liefert neben bekannten Informationen auch neue Beobachtungen, wie die zweifache Sichtung eines nahrungssuchenden Schwarzstorchs und die Erfassung von Fledermausvorkommen.
Das neue Gutachten erklärt noch einmal verständlich und nachvollziehbar die Konfliktpotenziale einzelner Arten mit Windkraftanlagen. So waren in der Evolution der Greifvögel kaum Vermeidungsstrategien gegenüber vertikal frei schlagenden Gegenständen erforderlich, weshalb diese nun auch bei Rotorschlägen nicht abrufbar sind. Fledermäuse können den vertikalen Rotorschlag nicht rechtzeitig wahrnehmen und sich dieser Veränderung daher auch nicht „anpassen“. Pro Anlage überziehen diese Rotorschläge übrigens eine potenzielle Todeszone von mehr als einem Hektar Fläche!
Gefährdete Vogelarten im Märkerwald
Folgende vom Windkraftvorhaben betroffene Vogelarten wurden während der Sichtungen für das Gutachten ermittelt: Rotmilan – min. 3-4 Revierpaare im Tabubereich, Schwarzmilan – min. 1-2 Revierpaare im Tabubereich, Mäusebussard – mindestens 4 Brutpaare, Wespenbussard – min. 2 Revierpaare, Habicht – min. 1-2 Brutpaare, Sperber – min. 1-2 Brutpaare, Schwarzstorch – 2x gesichtet, Revierpaar im Prüfbereich hoch wahrscheinlich, Uhu – Kernnahrungshabitat im Märkerwald, Baumfalke – möglicherweise 1 Brutpaar, Kolkrabe – mindestens 3 Brutpaare; außerdem Hohltaube, Schwarzsprecht, Mittelspecht, Grauspecht – je mehrere Brutpaare.
Gefährdete Fledermausarten im Märkerwald
Mittels bioakustischer Erfassung konnten 7 Fledermausarten sicher nachgewiesen werden, darunter stark gefährdete Arten wie Bechsteinfledermaus, Große Bartfledermaus, Breitflügelfledermaus, Rauhautfledermaus und das Große Mausohr. Da mittels Horchboxen teilweise nur Artengruppen statt einzelner Arten erfasst werden können, ist laut Gutachten „bei intensiverer Untersuchung im Untersuchungsraum sicher mit 14-16 Arten zu rechnen“. Hierüber könnten im Ernstfall weitergehende Untersuchungen mittels Netzfängen und ggf. Telemetrie Aufschluss geben.
Fazit
Im Fazit des Gutachtens heißt es u.a.: „Fachgutachterlich wird dringend empfohlen, den Märkerwald auf Ebene der Landesplanung bzw. Regionalplanung oder im Falle eines BimschVerfahrens zu streichen, da eine flächige Betroffenheit für zahlreiche planungsrelevante Arten hier vorliegend valide nachgewiesen wurde.“
Das Gutachten wurde bereits den Vorsitzenden aller Fraktionen im Otzberger Gemeindeparlament sowie dem Otzberger Bürgermeister Matthias Weber übermittelt.

Ebenso wurden die Untere Naturschutzbehörde im Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie die Staatliche Vogelschutzwarte Hessen und der Fledermausschutz Südhessen über die Ergebnisse informiert. Das vollständige Gutachten kann auf der Website http://www.nabu-otzberg.de im Bereich „Downloads“ heruntergeladen werden.
Spenden Sie für unser Artenschutzgutachten!
Wir freuen uns über die rege Unterstützung bei der Finanzierung unseres Artenschutzgutachtens. Mittlerweile sind rund 1.400,- Euro Spendengelder eingegangen, doch das reicht bei weitem nicht, um das fachlich fundierte Gutachten zu finanzieren. Der NABU freut sich über weitere Unterstützung beim Engagement für unser gemeinsames Naherholungsgebiet und Naturreservat Märkerwald.
Spendenkonto: Volksbank Odenwald, IBAN DE80 5086 3513 0007 3137 30
Für die Ausstellung einer Spendenquittung wenden Sie sich bitte an Alexander Nehls, E-Mail: alexander.nehls@t-online.de. Mehr Einblicke in unsere Aktivitäten vor Ort bietet unsere Website http://www.nabu-otzberg.de.“
Die Bürgerinitiativen Gegenwind Hassenroth und Otzberg bitten auch die Höchster Bevölkerung um Unterstützung. Unsere Kommunalpolitiker sind ebenfalls über das Gutachten unterrichtet. Helfen Sie mit, dieses wertvolle Stück Natur in unserer nächsten Umgebung zu erhalten! Mehr Informationen auf unserer Website https://gegenwindhassenroth.wordpress.com und auf Facebook „Gegenwind Hassenroth“ oder http://rettet-den-odenwald.de/.

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